Der Kurpark



Die Quellen am Fuße der Sachsenfestung Iburg dürften bereits in vorgeschichtlicher Zeit als "Heilige Quellen" verehrt worden sein. Frankenkönig Karl der Große, der 772 die Iburg erobert hatte, schenkte dem 799 von ihm gegründeten Bistum Paderborn die Iburg mit der dort erbauten Petruskirche und dem zugehörigen Umland, zu dem auch die Heilquellen gehörten. Danach befanden sich die Mineralquellen fast 1000 Jahre im Besitz des Paderborner Bistums. Die etwa 2 km vom Stadtkern entfernten Mineralquellen werden 1593 erstmals von einem Arzt schriftlich erwähnt.

 

Den Grundstein für das Driburger Bad legt der Paderborner Fürstbischof (1661 -1683) Ferdinand von Fürstenberg. Schon 1665 lässt er die Quelle fassen. Er legt zugleich "damit man bequemer aus dem, durch Gesundheit und Körperheilung berühmten Driburger Sauerbrunnen schöpfen könne, auf dem feuchten Boden einen Weg an, ließ ihn, des Spazierens wegen, mit Bäumen bepflanzen, förderte so den Ruhm der Quelle und den allgemeinen Nutzen."

Dieses Interesse wird von den Einwohnern der Stadt allerdings bei weitem nicht in demselben Maße geteilt. Anfänglich werden durch "großer Büberey" Teile der neu gepflanzten Allee beschädigt und die längs der Allee laufenden Entwässerungsgräben zugeschüttet, ein Vorgang, der sich ähnlich hundert Jahre später bei Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff wiederholen sollte und auch aus anderen Bädern berichtet wird.

Bereits um 1730 ermöglicht die hervorragende Qualität des Driburger Mineralwassers den Flaschenversand bis nach Stockholm und London. 1743 lässt Fürstbischof Clemens August über dem Brunnen einen achteckigen, nach allen Seiten geöffneten Pavillon und in unmittelbarer Nähe des "Brunnentempels" ein Packhaus zum Versand des Wassers errichten.

Im 18. Jahrhundert entwickeln sich insbesondere in Deutschland die Bäder zu den gesellschaftlichen Treffpunkten während der Sommermonate. Mit kalkuliertem Risiko schließt Caspar Heinrich von Sierstorpff 1782 einen Erbpachtvertrag mit der fürstbischöflichen Kammer in Paderborn zwecks Ãœbertragung der Quellen. 1781 hatte er bereits das nahe gelegene Driburger Landgut der Familie von der Lippe erworben. Um gegen das benachbarte, überwiegend vom Hochadel frequentierte Luxusbad Bad Pyrmont bestehen zu können, konzipiert er das Bad von Anfang für die aufgeklärten Kreise des höheren Bürgertums und der Beamtenschaft: "Hier in Driburg versammelt sich eine kleine Zahl von Menschen von gutem Stande, um das Landleben zu genießen, von dem Joche des Geschäftslebens auf einige Zeit befreyet, einmal frey zu athmen..." Das Spazieren gehen in der entsprechend gestalteten Natur wird in Bad Driburg nicht mehr als gesellschaftliches Ereignis, sondern als Teil der Therapie verstanden, eine Erkenntnis, die sich allgemein erst zum Endes des 19. Jahrhunderts durchsetzt.

Gegen den anfänglichen Widerstand der örtlichen Bevölkerung etabliert sich Bad Driburg schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Kurort für die gehobenen aufgeklärten Schichten. Dies dokumentieren auch die Aufenthalte 1796 der Frankfurter Bankiersgattin Susanne Gontard mit dem Erzieher ihrer Kinder, Friedrich Hölderlin, dann 1813, 1817 und 1819 Annette von Droste- Hülshoff und 1819 Johann Kaspar Lavater aus Zürich.

Um 1860 bekommt Driburg einen Anschluss an die Eisenbahn. Die Trassenführung führt zu erheblichen Eingriffen in den westlichen Bereich der Kuranlagen und zerteilt vor allem die westliche Allee zur Stadt hin, verhinderte aber andererseits ein zu nahes Heranrücken der städtischen Bebauung.

1919 wird Driburg als Bad anerkannt und 1974 erhält es das Prädikat staatlich anerkanntes Heilbad. Noch 1914 läuft der Badebetrieb in Bad Driburg lediglich vom 15. Mai bis zum 15. Oktober, also fünf Monate, die eigentliche Saison ist noch kürzer. Zu dieser Zeit liegt die Besucherzahl bei weniger als 400 Gästen pro Jahr. Diese finanzieren im Prinzip den ganzen Kurbetrieb.

Viel mehr als die Gebäude sind die Freiflächen im Laufe der Zeit verändert oder neugestaltet worden. Zum Glück gibt es bis heute aber noch Parkrelikte aus frühester Zeit sowie zahlreiche Gartendetails aus späteren Epochen. Wie erwähnt, liegen die Anfänge der Parkanlage in der 1669 erstmals angelegten doppelreihigen Lindenallee, die später um eine weitere Allee in südlicher Richtung ergänzt wurde und die den Kurgästen "einen angenehmen Spatziergang durch eine von wilden Castanien, Linden und Eichen angelegte(n) Allee" ermöglichen sollte.

Mit Caspar Heinrich von Sierstorpff beginnt 1781 die entscheidende Gestaltungsphase der gärtnerischen Anlagen in Bad Driburg. Es ist die Zeit der Aufklärung, des allgemeinen Aufbruchs und des Wandels. Im Gefolge dieser Entwicklung kommt es in Deutschland zu einer schritt weisen Ãœbernahme des von England ausgehenden landschaftlichen Gartens. Auch die Parkanlagen sollen den Geist der Aufklärung verströmen und Orte "des ländlichen Vergnügens" darstellen. Von Sierstorpff kennt diese Ideen und die englischen Landschaftsgärten aus eigener Anschauung u.a. durch eine mehrwöchige Hochzeitsreise nach England mit seiner ersten Frau Maria Sophia. So entsteht der erste landschaftlich gestaltete Parkteil westlich des Hauptbrunnens.

Den italienischen Reiseeindrücken der verwöhnten Gäste entspricht die Anpflanzung von lombardischen Pappeln an der südlichen Allee. Neben der Verwendung ausgewählter Pflanzen zur Steigerung der Stimmung und Gefühle fordert die zeitgenössische Gartentheorie auch die Einbeziehung der Landschaft in die Gestaltung von Gärten und Parks. In Bad Driburg dient besonders die landwirtschaftlich genutzte Umgebung als Stimmungsträger. Von großer Bedeutung ist hierbei der Rosenberg, auf dem später ein Obelisk für den Parkgründer und das Erbbegräbnis der Familie von Oeynhausen-Sierstorpff errichtet wird. Durch einen bequemen Weg mit dem eigentlichen Kurgelände verbunden, ist er für die Kurgäste noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das zentrale Ausflugsziel. Zum Rosenberg hinauf führt ein sogenannter Schlangenweg. Vom damals noch unbewaldeten Berg reicht der weite Blick über die Kuranlagen und das Driburger Tal bis hinauf auf die gegenüberliegende Höhe mit der Ruine der frühmittelalterlichen Iburg. Auf dem Rosenberg kann der gartenkünstlerisch und dendrologisch interessierte Besitzer seinen naturverschönernden Idealen nachgehen.

Vermutlich schon unter der späteren Erbin Hedwig von Cramm (1848 - 1900) wird der Kurpark gegen Ende des 19. Jahrhunderts in südlicher Richtung weitflächig vergrößert und beeindruckt bis heute. Zwischen den beiden Weltkriegen wird der älteste Parkbereich am Hauptbrunnen in eine Anlage mit geometrischen und landschaftlichen Elementen umgestaltet. Zusammen mit dem gleichzeitig angelegten Rosengarten bietet dieser Bereich der Kuranlagen heute vielfältige Möglichkeiten zum Ruhen, Schauen und Umherspazieren.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird der Kurpark südwestlich der großen Lindenallee um rund ein Drittel erweitert. Nördlich der Trinkhalle ist ein formaler Heckengarten aus Hainbuchen angelegt worden. Im Zentrum der Anlage lädt ein Brunnen der englischen Bildhauerin Angela Conner zur stillen Betrachtung ein.

Ein besonderes Merkmal des Kurparks sind die Wechselpflanzungen auf den Beeten, die alljährlich mit großer Sorgfalt vorgenommen werden. Ein erster Höhepunkt ist die Tulpenblüte, wenn sich aus Tausenden von Zwiebeln ein wahrer Farbenrausch entwickelt. Dieser Phase folgt die Sommerbepflanzung, die bis zum Spätsommer durchgehend für ein farblich abgestimmtes Blütenmeer sorgt.

Aus der Verbindung von historischer Bestandspflege, zeitgenössischen Gestaltungsmerkmalen und modernen Nutzungserfordernissen sind in Bad Driburg über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten gärtnerisch gestaltete Kuranlagen entstanden, die den Besuch zu einem ästhetischen Erlebnis werden lassen. Peter Coats nahm den Park in sein Buch The Most Beautiful Gardens in the World auf.

Als Anerkennung für ihr besonderes Engagement bei der Erhaltung des Kurparks erhielt Gräfin Ramona 2001 als erste Trägerin das "Goldene Lindenblatt" der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur.